Uelzen. Die Motorflugzeuge des Uelzener Flugsportvereins Cumulus sind trotz Einschränkungen durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr 667 Stunden in der Luft gewesen, annähernd so viel wie im Vorjahr. Das berichtete Motorflugreferent Hartmut Stehr bei der Mitgliederversammlung am 28. März. Zugleich zählte Flugbetriebsleiter Stefan Kösel im Blick auf das Jahr 2020 insgesamt 2900 Starts und Landungen, rund 20 Prozent weniger als 2019. Die Jahreshauptversammlung mit Berichten des Vorstands fand aufgrund der Corona-Pandemie unter Einhaltung der Hygienevorschriften in der Vereins-Flugzeughalle statt.

Der Erste Vorsitzende Andreas Scheerer richtete den Blick in die Zukunft: Der Flugplatz Uelzen bestehe am 1. Mai 50 Jahre, zudem werde der Uelzener Flugsportverein im September 70 Jahre alt. Sobald es die Lage zulasse, sollten die Jubiläen gefeiert werden. Indes sei der traditionelle Flugtag am Himmelfahrtstag aufgrund der Pandemie bereits abgesagt worden.

Wie bekannt, wollen Vereinsmitglieder auf dem Gelände eine neue Flugzeughalle mit sechs Parzellen errichten. Die Privathallen müssten im Einklang mit den Zielen des Flugsportvereins stehen und dürften nicht als Spekulationsobjekte genutzt werden, unterstrich der Erste Vorsitzende. Um ein Mitspracherecht zu haben, werde der Verein sich an dem Bauprojekt beteiligen.

Die Kassenprüfer bescheinigten Kassenwart Stefan Justke eine ordentliche Haushaltsführung. Das positive Vereinsergebnis liegt bei rund 46.000 Euro, unter anderem bedingt durch den Verkauf eines Motorflugzeuges. Trotz der Pandemie blieb der Mitgliederbestand mit insgesamt 192 Mitgliedern stabil, darunter gut 100 aktive Piloten.

„Wir haben zurzeit eine hoch motivierte Jugendgruppe“, lobte Segelflugreferent Oliver Maas den Nachwuchs. Auch Ausbildungsleiter Carsten Brandt zog zufrieden Bilanz: Danach gab es im vergangenen Jahr zwei erfolgreiche Segelflug-Prüfungen, vier Motorflug-Schüler haben ihre Privatpilotenlizenz erworben. Allerdings sei der Schulungsbetrieb wegen der Pandemie derzeit nur eingeschränkt möglich, sagte Brandt. Für neue Motorflug-Schüler gebe es eine Warteliste.

Im Namen des Luftsport-Verbandes Niedersachsen wurden bei der Mitgliederversammlung insgesamt neun langjährige Mitglieder geehrt. Burghard Rangnick (Suderburg) und Arnold Lang (Uelzen) bekamen für 40 Jahre fliegerische Tätigkeit die Goldene Ehrennadel überreicht. Schließlich würdigte der Flugsportverein seinen langjährigsten aktiven Kameraden Dieter Baruth mit der Ehrenmitgliedschaft (siehe Portrait).

Bei den turnusmäßigen Wahlen wurden der Zweite Vorsitzende Uwe Resas (Lüneburg) und Motorflugreferent Hartmut Stehr (Gifhorn) in ihren Ämtern bestätigt, neuer Jugendwart ist Lasse Jopp (Weste).


Einmal mehr hat der Erste Vorsitzende Andreas Scheerer (Sprakensehl-Behren) den Cumulus-Vereinspokal für den weitesten Flug mit einem Privatflugzeug ergattert: Das Ziel war diesmal Montpellier an der französischen Mittelmeerküste.


Zu den bei der Mitgliederversammlung 2021 geehrten Cumulus-Piloten gehören (v.l.): Carsten Brandt, Arkadiusz Szenderewicz, Christian Born, Claus Scheele, Karin Feldmann, Dieter Baruth und Burghard Rangnick.

Portrait: Dieter Baruth fliegt seit mehr als 50 Jahren
Niemand ist so lange im Uelzener Flugsportverein Cumulus aktiv wie er: Dieter Baruth trat dem Verein am 1. Mai 1968 bei. In den 53 Jahren bisher hat er nicht nur Tausende Starts in sein Flugbuch eingetragen. Seit Jahrzehnten engagiert er sich zudem für den Nachwuchs. Dafür wurde ihm jetzt die Cumulus-Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Nach seinem ersten Segelflug mit dem Altvorderen Oskar Feller stand fest: Der 14-Jährige wollte ebenfalls fliegen lernen. Das nötige Kleingeld verdiente sich der Auszubildende nebenher als Kellner, die Aufnahmegebühr gab es als Geschenk zur Konfirmation. Von da an war Dieter Baruth am Wochenende regelmäßig auf dem Flugplatz anzutreffen, damals noch in Brambostel.

Nicht ohne Wehmut erinnert sich der heute 67-Jährige an alte Zeiten. „In Schweden hatten wir Sichten von Pol zu Pol“, schwärmt Baruth von Fliegerurlauben in Frankreich und Skandinavien. Die Fliegerei sei damals zwar ein reiner Männersport gewesen, aber Frauen und Kinder waren am Wochenende immer mit dabei. So lernte Dieter Baruth auch seine spätere Ehefrau Petra auf dem Flugplatz kennen. Noch vor der Hochzeit absolvierte der gelernte Rundfunk- und Fernsehtechniker die Ausbildung zum Segelfluglehrer und brachte später auch seinen Söhnen das Fliegen bei.

Seit 1984 hat Dieter Baruth als Fluglehrer Generationen von Flugschülern für die Fliegerei begeistert. Im Vorstand war er als Jugendwart aktiv und organisierte das erste Vereins-Sommerlager der Cumulus-Segelflieger in Waren an der Müritz. Darüber hinaus engagierte er sich als Ausbildungsleiter sowie als Werkstattleiter. Sieben Flugzeuge wurden unter seiner Leitung grundüberholt, der Fachmann für die Holz- und Gemischtbauweise erinnert sich: „Da standen nur Gerippe.“ Die Stunden, die er in der Werkstatt zugebracht hat, hat er nicht gezählt. Bis heute sind Rat und Tat des gelernten Rundfunk- und Fernsehtechnikers gefragt, nicht nur bei Problemen mit Funkgeräten.

Solange der Fliegerarzt ihn gewähren lässt, möchte Dieter Baruth seiner fliegerischen Leidenschaft nachgehen. Zumal er als Rentner seit drei Jahren mehr Zeit dafür hat. „Eine Stunde Thermik fliegen ist die totale Entspannung“, schwärmt er. Das weiß auch Ehefrau Petra, die ihn in gedämpften Stimmungslagen ausdrücklich ermutigt: „Ich glaub, du musst mal wieder zum Flugplatz.“

Hartmut Merten