Uelzen, Winsen/Luhe. Das Vorurteil, Fliegen sei etwas für wohlhabende, ältere Männer, widerlegt Christine Allerding in jeder Hinsicht. Sie ist 19 Jahre jung, Schülerin am Gymnasium Winsen/Luhe und seit gut einem Jahr Mitglied im Flugsportverein Cumulus in Uelzen. „Dass man der Schwerkraft trotzen kann“, ist für Allerding faszinierend. Und natürlich jene Freiheit über den Wolken, von der einst Reinhard Mey gesungen hat.

Mit 15 Jahren trat Christine Allerding in den Lüneburger Luftsportverein ein, wollte zunächst Segelfliegerin werden. Bereits einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag, der neben der Volljährigkeit die Erlaubnis zum Autofahren ohne Begleitung brachte, fuhr sie nach Uelzen, meldete sich als Motorflugschülerin an. „Fliegen fand ich schon immer cool“, sagt die junge Frau, die ihren Traum nun zielstrebig Wirklichkeit werden lässt. Die Fliegerkameraden sind für sie inzwischen fast so etwas wie eine Familie geworden.

Bereits im Sommer letzten Jahres absolvierte Christine Allerding nach 45 Starts ihren ersten Alleinflug in der Schul- Cessna 150. „Toll, dass man auch ohne Fluglehrer starten und landen kann“, beschreibt sie ihr damaliges Glücksgefühl. In den vergangenen Wochen büffelte sie Theorie, legte kürzlich die Prüfung für das Funksprechzeugnis „BZF 1“ ab. Zum Start in die neue Saison freut sich die angehende Abiturientin auf besseres Wetter und die Fortsetzung ihrer praktischen Flugausbildung. Das Ziel hat sie dabei stets fest im Blick: Die Privatpilotenlizenz für einmotorige, kolbengetriebene Flugzeuge bis zu einem Abfluggewicht von zwei Tonnen, im Jargon „PPL A“ genannt. Und sie weiß auch schon, was sie nach dem Scheinerhalt als erstes tun wird: Mit Freundinnen, Zelt und Schlafsäcken an die See fliegen…

Ihre Freunde hätten sich daran gewöhnt, dass sie gern vom Fliegen erzählt, berichtet die derzeit jüngste Motorflugschülerin des gut 180 Mitglieder zählenden Vereins. Manche ihrer Bekannten meinten, dass der Flugsport für sie selbst aus finanziellen Gründen nicht in Frage käme. „Oder sie geben das Geld lieber für Partys und Klamotten aus“, vermutet Christine Allerding. Doch sie gibt auch zu, dass die Oma sie gesponsert hat. „Ich wollte das Geld nicht für viele kleine Dinge verplempern, lieber in etwas Großes investieren, mir meinen Traum erfüllen“, sagt Allerding. 

Der ganz große Traum wäre es gewesen, Pilotin bei der Lufthansa zu werden, gesteht die begeisterte Pilotin, die ehrenamtlich in der Evangelischen Jugend ihrer heimischen Kirchengemeinde aktiv ist. Daraus wird zunächst nichts, ihr fehlen ein paar Zentimeter zur Mindest-Körpergröße von 1,65 Metern. Dafür hat Christine Allerding im ersten Anlauf einen Ausbildungsplatz als Fluggerätemechanikerin bei Airbus in Hamburg ergattert. Fest steht schon jetzt, dass Christine Allerding ihre Pilotenlizenz beizeiten erweitern wird. Und wer weiß, vielleicht wird ihr heimlicher Berufswunsch eines Tages doch noch Wirklichkeit: Berufspilotin im Rettungshubschrauber.