Oliver Maas, 2018 - Schon seit einigen Jahren reizte es mich, einen Wandersegelflug zu machen. Dieses Jahr hat es endlich geklappt. Meine Freundin Henrike und ich liehen uns für zwei Wochen die DG 505 aus dem Uelzener Verein, um damit durch Deutschland zu fliegen. Üblicherweise fliegt man einen Wandersegelflug mit einem Klapptriebwerkler oder man hat ein Begleitfahrzeug, das hinterherfährt. Wir haben allerdings ein anderes Konzept ausprobiert: Wir fliegen zu zweit im motorlosen Doppelsitzer durch Deutschland und die Notfall-Rückholer bleiben am Startflugplatz in Uelzen. Wie gut das funktioniert hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Vorbereitungen

Erstmal haben wir nach einem günstigen Zeitraum für einen Wandersegelflug gesucht. Die Wahl fiel auf die zwei Wochen vom 30. Juli bis zum 12. August. In der ersten Woche hatten alle Bundesländer in Deutschland gleichzeitig Sommerferien, sodass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, einen Flugplatz mit Flugbetrieb zu finden. Außerdem sind zu dieser Zeit schon die ersten Äcker geerntet und außenlandefreundlich. Das Ziel sollte jedoch sein, immer auf einem Flugplatz anzukommen, von dem wir möglichst am nächsten Tag auch wieder starten können. Die Flugplatzdichte in Deutschland ist glücklicherweise paradiesisch: Wenn man um jeden Flugplatz in Deutschland einen Kreis mit 20 km Radius zeichnet, bleiben kaum noch Flächen übrig. Man ist also selbst mit Gleitzahl 20 in 1'000 m Höhe fast immer im Gleitbereich eines Flugplatzes! Zumindest gilt das für die Landungen, viele dieser Plätze entfallen allerdings als geeigneter Startplatz, da sie zu kurz für einen F-Schlepp mit einem Doppelsitzer sind.

Wir haben eine Liste aller Flugplätze ausgedruckt, die bei travelbyglider.eu eingetragen sind. Diese enthält wichtige Informationen über Flugbetriebstage, Telefonnummern von Kontaktpersonen, Einkaufsmöglichkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten usw. und war uns bei den Flugvorbereitungen und auch im Flug eine große Hilfe.

Bei der Verpflegung haben wir auf nichtverderbliche Ware gesetzt: Knäckebrot, Nuss-Nougat-Creme Bananenchips, Spaghetti, Reis, Tütensuppen: Kein Gourmetessen aber es bewahrt einen im Ernstfall vor dem Verhungern. Als Übernachtungsmöglichkeit haben wir ein Zelt, Isomatten und Schlafsäcke mitgenommen. Spätestens jetzt stellte sich die Frage: Wo sollen wir das bloß alles verstauen?

Tag 1, Montag, 30. Juli: Erster Versuch

In der DG 505 haben wir die Sitzpolster und Kopfstützen durch einen Schlafsack, Zelt und Isomatten ersetzt. Zum Glück sind Henrike und ich nicht die Allergrößten, sonst hätte das nicht funktioniert. Die Zeltstangen passen in die Sauerstoffröhre und im Gepäckraum hat auch noch ein Schlafsack Platz gefunden. Nun bleiben noch die Lebensmittel: Trockenware für Abends haben wir unter der hinteren Sitzschale verstaut: Da liegt sie sicher und kühl, aber leider auch etwas unzugänglich. Eine Kühltasche für Proviant während des Fluges haben wir im hinteren Fußraum fixiert. 

Das Wetter war für den ersten Tag ganz gut vorhergesagt: Warm mit spätem Thermikbeginn, aber hoher Basis. Wir haben uns als Tagesziel für Burg Feuerstein (357 km Richtung Süden) entschieden. Ein kurzer Anruf bestätigte uns, dass wir dort auch am nächsten Tag wieder starten könnten. Gegen 13:30 zeigten sich die ersten Wolken und um 14 Uhr starteten wir im F-Schlepp. Die Basis lag schon bei über 2.000 m, allerdings waren die Wolkenabstände auch enorm. Nach den ersten zwei Bärten glitten wir über 25 km durch tote Luft, bevor wir wieder Thermik antrafen.

Ursprünglich hatten wir die Route westlich am Harz vorbei geplant, da der Wind aus Westen kam. Über Braunschweig hatte ich mich dann aufgrund der Wolkenoptik für die östliche Route entschieden. Spätestens über der Magdeburger Börde hatte ich es bereut. Die Wolken wurden immer zerrissener, genauso wie die Thermik. Zu dem war die Flugplatzdichte hier nicht so groß wie westlich des Harzes, sodass wir Schwierigkeiten hatten im Gleitbereich von Ballenstedt zu bleiben. Die nächste Option südlich des Harzes war Nordhausen. Als wir im Gleitbereich mit MacCready 2,0 und + 200 m auf Nordhausen waren, flogen wir nach Süden. Der 200 m Puffer war leider schnell durch langanhaltendes Sinken aufgebraucht und auch die Hügel der östlichen Harzausläufer kamen schon näher. Die Wolkenoptik auf Kurs war mittelmäßig, die einzig tolle Optik bot der Stausee der Rappbodetalsperre, in dem die Nachmittagssonne funkelte. Nach Absuchen der Hügel in Reichweite eines geeigneten Landeackers zeigte sich ein 0,2er Bart, der sich auf ganze 1,0 verbesserte und uns 500 m spendierte. Beim Kurbeln entdeckten wir unter uns den UL-Flugplatz Hasselfelde - für uns mit 420 m Grasbahn allerdings als Startflugplatz absolut ungeeignet. Leider reichte unsere Höhe danach nur knapp bis Nordhausen und da auf dem Weg dorthin viel Wald liegt, entschieden wir uns für eine Route weiter östlich über landbares Gelände. Und das brauchten wir dann auch bald: Nach ein paar Versuchskreisen landeten wir auf einem langen Stoppelacker in der Nähe von Breitenstein.


Abbildung 1: Auf einem großen Stoppelacker östlich des Harzes.

Na toll... Das Konzept "Wir bleiben immer in Reichweite eines Flugplatzes" hat ja schonmal nicht so gut geklappt. Erstmal riefen wir unsere Rückholer Klaus und Burghard an. Die Beiden sind Rentner und hatten sich schon Monate im Voraus bereit erklärt uns jederzeit von jedem Acker in Deutschland zu holen: Für unseren Wandersegelflug die wichtigste Voraussetzung überhaupt. Dass wir dieses Angebot nun gleich am ersten Tag nutzen mussten, hatten wir nicht gedacht. Generell überlegten wir, ob es nicht doch besser wäre, wenn die Beiden uns mit dem Anhänger dauernd hinterherfahren würden. Wenn es schon bei über 2'000 m Basis nicht klappt, wann dann?

Nachdem unser Ärger sich etwas gelegt hatte, nutzten wir die Zeit, um uns von dem Flug zu erholen. Wir hatten Isomatten dabei, dann liegt es sich doch bequemer auf dem stoppeligen Acker. Natürlich kamen auch ein paar neugierige Fußgänger vorbei. Einer arbeitete bei Airbus in Toulouse, ist aber noch nie geflogen. Er empfahl uns noch die Kneipe im Dorf. Darauf verzichteten wir erstmal - immerhin hatten wir auch genug Lebensmittel dabei.

Hätten wir gewusst, dass Klaus und Burghard erst nach Sonnenuntergang ankommen würden, wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Als langjähriger ehemaliger LKW-Fahrer war Burghard perfekt ausgerüstet, u.a. mit 12 V-Kühlbox mit gekühlten Getränken! Wir rüsteten die DG 505 ab und als Mars und Mond schon hoch am Himmel standen, traten wir unsere Rückreise nach Uelzen an. Zwischendurch hatten wir noch überlegt, ob wir nicht zu einem anderen Flugplatz fahren sollten, um von dort am nächsten Tag weiterzufliegen. Die nächsten Möglichkeiten mit gesichertem Flugbetrieb lagen allerdings so weit weg, dass wir uns dagegen entschieden. Klaus und Burghard wären allerdings auch auf dieses Vorhaben vorbereitet gewesen.

Auf dem Rückweg trafen wir noch zwei gute Freunde aus unserem Verein, die uns dann in Uelzen nachts um halb drei beim Aufrüsten geholfen haben. Man erlebt schon verrückte Dinge als Segelflieger!

Tag 2, Dienstag, 31. Juli: Abschirmung

Nach einer eher kurzen Nacht versprach der Wetterbericht doch ganz gute Chancen für einen zweiten Versuch, heute mal westlich des Harzes vorbei und nur bis Aue Hattorf (150 km Richtung Süden). Rechtzeitig zu Thermikbeginn kam allerdings von Westen eine dicke Abschirmung, sodass wir erst gar nicht ausgeräumt haben. Stattdessen habe ich noch das ein oder andere am Anhänger der DG 505 gewartet, dieser müsste demnächst auch mal zum TÜV.

Tag 3, Mittwoch, 1. August: Anhänger

Ich mach's kurz: Das Wetter war heute auch nicht das Gelbe vom Ei und der Anhänger hat TÜV, nach einigen Einstellungen an der Auflaufbremse. Abends gab es dann schonmal die erste Packung Nudeln aus der "Speisekammer" der DG 505.

Tag 4, Donnerstag 2. August: Zweiter Versuch

Heute war der Westen gut vorhergesagt und wir entschieden uns letztendlich für Achmer (185 km Richtung Südwesten). Irgendwer wird uns da Freitag schon in die Luft schleppen können. Die thermische Entwicklung am Platz ließ lange auf sich warten, was uns aber angesichts der überschaubaren Strecke nicht aus der Ruhe brachte. Eher beunruhigend fand ich die Vorstellung bei 30°C und schwachem Nordostwind einen F-Schlepp zu machen. Der Praxistest um halb drei hat gezeigt, dass es geht. Nach anfänglichem schweißtreibendem Kampf in mittleren Höhen haben wir uns langsam nach Nordwesten vorgetastet. Dieses Mal mit MacCready von 3 und immer in sicherer Reichweite nach Uelzen oder Lüneburg. Wir umflogen die Beschränkungsgebiete um Faßberg nördlich und ab dem Wilseder Berg wurden wir von der guten Heidethermik verwöhnt. Zwischen Nienburg und Porta Westfalica mussten wir zusehen, dass zumindest einer dieser Flugplätze in Reichweite bleibt, um uns das Dilemma von Montag zu ersparen. Dieses Mal hat es auch geklappt. Etwa 40 km vor Achmer haben wir uns über Funk angemeldet und erfahren, dass gerade ein Fliegerlager stattfindet - eine Startmöglichkeit für den nächsten Tag hatten wir also auch schon. Nach einem entspannten Endanflug flogen wir noch ein paar genussvolle Sightseeing-Kreise und landeten auf einem der zahlreichen Landefelder in Achmer.


Abbildung 2: Der Flugplatz Achmer liegt direkt am Mittellandkanal.

Wir waren froh, dass wir es heute bis zu einem Flugplatz geschafft haben und gaben unseren Rückholern gleich Bescheid. Nachdem wir den Flieger geparkt hatten, liefen wir noch zum Segelflugstart. Auf dem Weg dorthin wurden wir doch tatsächlich von einem Eiswagen überholt! Wir  gönnten uns ein Eis und unterhielten uns mit den anderen Segelfliegern. Wie sich herausstellte waren es gar keine Achmeraner sondern Mannheimer, die hier ihr Fliegerlager veranstalten. Nicht zu übersehen ist der schwarz-gelb-karierte Startwagen.

Der Zeltplatz in Achmer liegt direkt am Mittellandkanal. Das ist ganz idyllisch, allerdings ist auch der Remondis Industrie Service nicht weit, bei dem etwas unangenehm riechende Gase aus dem Schornstein kommen. Vom Zelt aus staunten wir über die Ausdauer der Mannheimer, die bis Sonnenuntergang Windenstarts machten. Nach ein bis zwei kühlen Getränken in geselliger Runde verkrochen wir uns in unser Zelt, denn morgen sollte ein guter Tag werden.


Abbildung 3: Der Startwagen in Achmer ist nicht zu übersehen.

Tag 5, Freitag, 3. August: Auf Richtung Süden

Von den Mannheimern wurden wir wirklich herzlich aufgenommen. So konnten wir z.B. auch an deren Frühstück teilnehmen. Eigentlich stand schon am Vorabend fest, wo es heute hingehen sollte: Nach Lachen-Speyerdorf (380 km Richtung Süden, mit Umwegen), ganz in der Nähe von Mannheim.

Die Strecke führte uns über neues, hügeliges Gelände und wir hatten diverse Lufträume zu umschiffen: Münster-Osnabrück, Dortmund, Paderborn, Köln-Bonn und das Nadelöhr zwischen Frankfurt und Frankfurt-Hahn. Zuvor wagten wir allerdings noch einen Blick in den Hangar, denn hier findet man noch Oldtimer wie das Grunau Baby oder den Condor.

Heute warteten wir mit dem Start nicht allzu lange, da wir ja den einen oder anderen Kilometer zu fliegen hatten. Kurz vor eins wurden wir von der Winde direkt in einen 2 m-Bart geschleppt. Zuerst flogen wir nach Osten, um die TMZ von Münster/Osnabrück zu umfliegen. Die Strecke von dort bis etwa 30 km vor den Möhnesee verlief problemlos. Dann wurden die Wolken schon seltener und wir nahmen auch schwächere Thermik mit. In der Nähe von Soest haben wir einen Dust Devil gesehen, der sich allerdings aufgelöst hatte, bevor wir da waren. Bei Arnsberg waren wir mit 1'000 m MSL im Vergleich zu den Wolken auf Kurs schon sehr tief und haben uns erstmal wieder ausgegraben. Jetzt waren es 2'400 m, hier war es dann auch angenehm kühl! Obwohl das Gelände unter uns nun recht hügelig war, konnten wir mit dieser Basishöhe fliegen wie im Flachland. Wir überflogen das Rothaargebirge und hatten auf Kurs eine gute Auswahl an Flugplätzen mit ausreichender Länge. In der Nähe von Koblenz staunten wir über die Sandbänke im Rhein - dieses Jahr ist wirklich außergewöhnlich trocken.


Abbildung 4: Die Sandbänke im Rhein zeugen von einem trockenen Sommer.

 


Abbildung 5: Der Flugplatz Ludwigshafen-Dannstadt liegt direkt an einer Autobahnraststätte und wird von einem Feldweg in zwei Teile geteilt.

Vor uns lagen nun die Lufträume von Frankfurt und Frankfurt-Hahn, zwischen denen nur ein etwa 5 km breiter Streifen zum durchfliegen bleibt, zumindest wenn man sich in 2'400 m befindet. Der Durchflug verlief aber problemlos und unser Ziel war nur noch 100 km entfernt. Wir passierten den Pfälzer Wald und konnten schon die ersten Weinfelder sehen. Über Lachen-Speyerdorf kamen wir mit ausreichend Höhe an. Hier fanden gerade die Deutsche Meisterschaft der Frauen sowie Quali der Männer statt.  Da gerade reger Endanflugbetrieb herrschte, entschieden wir uns dazu, einen Ausweichflugplatz zu suchen. Die Wahl fiel auf Ludwigshafen-Dannstadt, der etwa 15 km weiter nordöstlich liegt. Dort antwortete zwar keiner im Funk, aber er ist 1'070 m lang und auf einem Samstag würden wir da schon wegkommen. Vorher machten wir mit unserer Überschusshöhe noch einen Erkundungsflug über Mannheim und dachten dabei an die nette Zeit mit den Mannheimern in Achmer. Bei genauer Begutachtung des Flugplatzes entdeckten wir einen Weg, der den Platz relativ mittig kreuzte und einen Rasensprenger der auf der Westhälfte stand. Wir entschieden uns dann für die Landung auf der Osthälfte. Auch heute konnten wir unseren Rückholern von einem erfolgreichen Tag berichten.

Die erste Person, der wir auf dem Flugplatz begegnet sind, ist dann gleich wortlos mit dem Fahrrad davongefahren. Nach kurzer Zeit kam zum Glück noch jemand vorbei, der sich als deutlich freundlicher erwies. Er war die letzten Tage Schlepppilot in Lachen-Speyerdorf und bot uns gleich eine Duschmöglichkeit im Vereinsheim an, die wir auch gerne nutzten. Ebenfalls nutzten wir die Möglichkeit unseren Flugzeugakku zu laden, denn wie wir in Achmer festgestellt hatten, lag das Ladegerät noch in Uelzen. Wir parkten unser Flugzeug am Rand und bauten direkt daneben unser Zelt auf.

Direkt neben dem Flugplatz befindet sich ein Badesee, der allerdings in diesem heißen Sommer voller Algen war. Auch die Autobahn in direkter Nähe schmälerte die Flugplatzidylle erheblich. Allerdings hatte sie auch einen Vorteil: Direkt neben dem Flugplatz befindet sich eine Autobahnraststätte mit Burger King! Unser Abendbrot war gesichert. Nach einem kurzen Fußmarsch durchs Gestrüpp waren wir auch schon da. Es ist völlig verrückt: Eben befanden wir uns noch in der friedlichen, familiären Flugplatzumgebung und 100 m weiter taucht man in eine Welt voller Hektik, Lärm, Menschen, Autos und LKW aus der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden.

Tag 6, Samstag, 4. August: Schauerslalom

Beim morgendlichen Blick aus dem Zelt waren schon Quellungen über dem Pfälzer Wald im Südwesten zu sehen. Das passte gut zum Wetterbericht, der für heute größere Schauer und auch Gewitter für den Südwesten Deutschlands vorhersagte. Die grobe Flugrichtung war damit schon mal festgelegt: Nordost. Der morgendliche Blick aus dem Zelt hielt allerdings noch eine Überraschung bereit: Ameisen! Auf dem Zelt, auf dem Flugzeug, im Flugzeug, überall. Nachdem wir das Flugzeug dekontaminiert und ein paar Meter vorgeschoben hatten, ging's ans Frühstück. Dieses fällt üblicherweise eher weniger üppig aus. Es gab Knäckebrot mit Nuss-Nougat-Creme sowie Kondensmilch mit Wasser verdünnt.


Abbildung 6: Der morgendliche Blick aus dem Zelt: Die Luft ist labil.


Abbildung 7: Große Regenschauer auf dem Weg nach Bamberg sorgten für einen spannenden Flug mit toller Optik.

Aufgrund der vorhergesagten Schauer und Gewitter war es heute wichtig, einen Zielflugplatz mit einem Hallenplatz zu finden. Nach einigen Telefonaten und eingehendem Kartenstudium fiel die Wahl auf Bamberg (193 km Richtung Nordosten).  Trotz der frühen Thermikentwicklung auf dem Pfälzer Wald, mussten wir am Flugplatz lange auf Thermik warten. Ludwigshafen-Dannstadt liegt im Rheintal und ist deshalb etwas benachteiligt. So hatten wir noch Zeit, um uns von den Segelfliegern der beiden ansässigen Vereine ein paar Tipps zu den Hausbärten zu holen. Der Golfplatz am Ende des rechten Querabflugs sollte wohl ganz gut gehen. Wir parkten die DG 505 nahe des Startplatzes und beobachteten die ersten F-Schlepps, die für meinen Geschmack recht knapp über die Bäume verliefen: Auch heute war wieder ein heißer Tag. Zum Glück gab es hier auch Schulungsbetrieb an der Winde, in den wir uns einreihen konnten. Ab 13:30 wurden von den Schulungsflugzeugen erstmals etwas längere Platzrunden geflogen, es war also endlich Thermikbeginn! So langsam wurde es auch Zeit, denn auf Kurs waren die Quellungen über dem Odenwald schon sehr groß und zusätzlich kam aus Nordwesten eine Abschirmung. Gegen 14:15 starteten wir an der Winde und bogen sofort Richtung Golfplatz ab. Dort fanden wir tatsächlich einen Bart, der uns erst mit zaghaften 0,6 m/s und später mit 2 m/s ein erneutes Abendessen bei Burger King ersparte. Allerdings hörte er in 1'300 m wieder auf und nun begann ein Rennen gegen die Zeit: Die Abschirmung wurde von Nordwesten immer dichter und der Wind trieb uns Richtung Fallschirmsprunggebiet Herrenteich, das natürlich aktiv war. Die Optik auf Kurs Richtung Odenwald sah gut aus, allerdings waren wir noch viel zu tief, um dort anzukommen. Zum Glück fanden wir nach einigem Suchen einen guten Bart, der uns auf über 2'000 m brachte. Der Startzeitpunkt war gut gewählt, früher ging nicht und später auch nicht.


Abbildung 8: In Neustadt fand sich glücklicherweise noch ein Platz für die DG 505 in einer Privathalle.

Mit dieser Höhe konnten wir, vorbei am Hockenheimring, die gut ausgebildeten Cumulanten über dem Odenwald erreichen. Hier war dann auch gleich ein 5-m-Bart versteckt. Trotz des sehr guten Steigens sind wir die nächsten Kilometer nur mäßig schnell vorgeflogen, da die großen, dunklen Wolken sehr weit auseinander lagen.

Wir nahmen auch größere Umwege in Kauf, um auf jeden Fall oben zu bleiben. Aus einigen Wolken kam bereits Regen und ein Blick auf Gegenkurs zeigte, dass hinter uns nur noch Schauer zu sehen waren! Die einzige Wolke auf Kurs bestand auch schon zum größten Teil aus Regen und führte durch das Fallschirmsprunggebiet Riedenheim. Eine Nachfrage bei Langen ergab, dass es nicht aktiv war, so konnten wir unter der frischen Seite der Wolke auf 2'800 m steigen. Das war auch gut so, denn wir hatten eine große Lücke zu überbrücken. Da Bamberg immer noch 80 km entfernt lag, entschieden wir uns, in Richtung nächster Landemöglichkeit, dem Flugplatz Neustadt an der Aisch, zu fliegen. Nach 40 km gleiten durch tote Luft fanden wir dort in 1'000 m wieder einen moderaten Aufwind, den wir allerdings bald aufgrund des Nürnberger Luftraums verlassen mussten. Unsere einzige Chance bestand nun darin, nach Nordwesten zu fliegen. Dort schien nach Durchzug eines Schauers seit ein paar Minuten wieder die Sonne, sodass sich hier neue Thermik entwickeln konnte. Nach gut 10 km Flug mit bestem Gleiten in ruhiger Luft mussten wir allerdings wenden, um noch sicher nach Neustadt zu kommen. Dort konnten wir über einem Acker mit Herz-Muster noch ein paar höhen- und hoffnungserhaltende Kreise fliegen, mussten dann aber auf dem Flugplatz landen.

In Neustadt an der Aisch wurden wir sehr freundlich empfangen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten auf der Suche nach einem Hallenplatz, wurde für uns ein Stellplatz in einer Privathalle organisiert. Nachdem der Flieger im Trockenen stand und das Zelt aufgebaut war, konnten wir uns beim Flugplatzansässigen Italiener eine große und leckere Pizza gönnen: Was für ein Genuss, nach diesem anstrengenden Tag!


Abbildung 9: Pizza für die es sich lohnen würde nochmal wiederzukommen!

Tag 7, Sonntag, 5. August: Über den Thüringer Wald nach Aue Hattorf

Schon am Vorabend hatten wir überlegt, ob wir hier überhaupt wieder wegkommen: Die Bahn ist nur 600 m lang und der Schlepp-MoSe hat nur 80 PS. Immerhin sind im An- und Abflug keine Bäume und es soll heute mal nicht ganz so warm werden. Auch hier wurde uns geholfen, indem für uns eine stärkere Schleppmaschine vom Nachbarflugplatz organisiert wurde. Der heutige Tag sollte nochmal ganz gut werden, wenn auch mit niedriger Basis, während für Montag großflächige Blauthermik vorhergesagt war. Wir entschieden uns für Aue Hattorf (228 km Richtung Norden) als Tagesziel, um dort Montag einen Tag "Blaupause" einzulegen. Nachdem wir mittags beim Italiener auch die Nudeln für gut befunden hatten, schoben wir die DG 505 an den Start und warteten auf unsere Schleppmaschine.


Abbildung 10: Beim Frühstück in Neustadt an der Aisch mit typischer Ausrüstung: Knäckebrot, Nuss-Nougat-Creme, Taschenmesser, Tape, USB-Kabel, E-Reader.

Nach Ausfüllen der Einzugsermächtigung, starteten wir bei reinem Seitenwind und waren sehr froh, dass wir nicht vom MoSe geschleppt wurden! Die Basis war deutlich höher als vorhergesagt, sodass der Flug Richtung Thüringer Wald problemlos verlief. Auf dem Weg kamen wir an Bamberg vorbei, wo wir eigentlich am Vortag landen wollten, und konnten die Coburg direkt neben dem Flugplatz Coburg entdecken. Bei Annäherung an den Thüringer Wald mussten wir darauf achten, einen geeigneten Flugplatz in Reichweite zu behalten, viele Plätze haben hier nur eine kurze Bahn oder sind auf der Nordseite des Thüringer Walds. Die Thermik hat uns aber nicht im Stich gelassen und so konnten wir weiter Richtung Eisenach fliegen. Ab dort wurden die Wolken dann seltener und im Nordosten war nur noch Blauthermik. Es war bereits 17 Uhr, wir hatten Gegenwind und bis Aue Hattorf waren es noch 70 km, wir tasteten uns also vorsichtig weiter nach Norden vor. 30 km vor Aue Hattorf brachte uns ein Bart auf geradeso ausreichende Endanflughöhe. Allerdings befindet sich südlich von dem Flugplatz ein Hügel, hinter dem sich der Flugplatz versteckt und der bei dem herrschenden Nordwind auch noch für Sinken sorgt. Ein bisschen mehr Höhe wäre also nicht schlecht gewesen. Und tatsächlich: Ein paar Kilometer vor dem Hügel spendete uns ein Bart die rettenden hundert Meter! Wir überflogen den Hügel in komfortabler Höhe und konnten nun endlich den Flugplatz sehen. Nach einer entspannten Besichtigungsrunde über Hattorf und ein paar Kreisen mit einer Ka 6 in der Platzrunde landeten wir in Aue. Hier war richtig gute Stimmung! Die letzten zwei Wochen fand hier ein Streckenfluglehrgang statt, der dank des tollen Wetters ein voller Erfolg war. Beim abendlichen Briefing hat sich auch gleich  einer als Schlepppilot für Dienstag angeboten.


Abbildung 11: Die Veste Coburg vor dem Flugplatz Coburg Brandensteinsebene.

Tag 8, Montag, 6.8.2018: Blaupause

Aue Hattorf war eine gelungene Wahl für einen Tag Flugpause: So konnten wir z.B. die Küche nutzen und in einem richtigen Bett übernachten. Außerdem wurden uns zwei Fahrräder bereitgestellt, mit denen wir nach Hattorf fahren konnten. Wir nutzten die Gelegenheit, um unseren Lebensmittelvorrat aufzufüllen und um mal wieder ein ausgewogenes Frühstück zu uns zu nehmen.


Abbildung 12: Parkplatz vor den Apfelbäumen in Aue Hattorf. Hier wurden wir bestens versorgt: Es gab sogar Flächenstützen und einen provisorischen Haubenbezug.

Der Wind hatte wieder auf Süd gedreht und es war dementsprechend heiß. Wir räumten verderbliche Lebensmittel aus dem Flieger und konnten die Hauben mit einem Bettbezug abdecken, der uns zur Verfügung gestellt wurde. Für die persönliche Erfrischung war in Aue auch gesorgt: Direkt neben dem Flugplatz fließt die Oder. Nicht die Oder, die man kennt, sondern die, die im Harz entspringt. Das Wasser war entsprechend kühl. Aber immerhin war es trotz der Trockenheit überhaupt vorhanden, denn im Gegensatz zu anderen kleinen Flüssen, wurde die Oder aus dem
Oderstausee gespeist. Eine weitere Erkundung des Flugplatzes hat ergeben, dass es an den Startstellen schattenspendende Bäume mit Hängematte und Bänken gibt; ideal für heiße Flugbetriebstage!

Diesmal hatten wir wirklich genug Zeit für eine gründliche Streckenplanung. Am Folgetag sollte wieder Wolkenthermik sein. Zuerst fiel die Wahl auf Klix als Tagesziel, was wir später aber aufgrund potentieller Gewitter im Osten wieder verworfen haben. Da der Nordwesten sehr gut vorhergesagt war, reizte es uns, mal Richtung Nordsee zu fliegen. Ein Wandersegelflug bietet einem ja die Möglichkeit auch mal ungewöhnliche Dinge auszuprobieren. Und da kam eigentlich nur ein Flugplatz in Frage: Bohlenberger Feld (254 km Richtung Nordwesten). Dort fliegt Henry, den ich aus meiner Studienzeit in Bremerhaven kenne und den ich schon lange mal mit dem Segelflugzeug besuchen wollte. Ich rief ihn gleich an, um zu klären, ob uns am Mittwoch jemand rausschleppen könnte. Die Antwort fiel positiv aus und somit stand das Ziel fest. Blieb nur zu hoffen, dass wir dieses Mal auch ankommen, denn die letzten beiden Flugplätze, die ich vorher angerufen habe, erreichten wir nie (Burg Feuerstein und Bamberg). Wir bestellten unseren Schlepppiloten für den nächsten Tag um 13 Uhr. Da wir bisher noch nichts von unserem Reis und unseren Tütensuppen verbrauchen mussten, entschieden wir uns dazu, heute Abend damit anzufangen.

Tag 9: Dienstag, 7.8.2018: Vom Harz bis ans Meer

Schon den ganzen Vormittag habe ich abwechselnd den Windsack und die im Norden stehenden Windräder kritisch beäugt. Die Windräder zeigten Südost, der Windsack Nordost. Vermutlich war das ein Effekt, der durch den Hügel südlich des Platzes hervorgerufen wurde. Da der Wind später noch auf Südwest drehen sollte, blieb die Startrichtung erstmal unklar. Als unser Schlepppilot samt Helfer um halb eins ankamen, entschieden wir uns für einen Start Richtung Osten. Dankenswerterweise konnten wir den Flieger mit dem Auto den weiten Weg zum Westende ziehen. Ein schwerer Doppelsitzer hinter einer 115 PS Superdimona bei über 30°C mit Seitenwind waren natürlich nicht gerade Wunschbedingungen. Immerhin hatten wir 1'200 m Grasbahn und viele große Felder in der Nachbarschaft. 

Nach einer langen und staubigen Rollphase hoben wir endlich ab und hüpften über die Flugplatzgrenze. Die vom Hügel erzeugte Turbulenz schüttelte uns ordentlich durch, sodass wir sogar einmal in den Gurten hingen. Unser Schlepppilot war zum Glück sehr erfahren und schleppte uns direkt nach Osterode in einen Bart. Dort stiegen wir im Schlepp noch ein bisschen, um ausreichend Aktionshöhe zu bekommen, denn die Wolkenbasis war heute mal wieder recht üppig. Die Thermik hingegen war eher zerrissen und kurzlebig, sodass wir Schwierigkeiten hatten wirklich hoch zu kommen. Als ich Henrike hab fliegen lassen, fand sie prompt einen super Bart und auf ging's nach Westen. Die hohe Wolkenbasis ist an sich schön, doch hat sie auch den Nachteil, dass man immer die Luftraumtrichter der Flughäfen komplett umfliegen muss und nicht unterfliegen kann. So ging es uns an diesem Tag auch mit Hannover, natürlich standen die schönsten Wolken im Luftraum und außenrum war es fast blau. Immerhin gab es reichlich Flugplätze hier im Weserbergland und so kämpften wir uns behutsam zur Porta Westfalica vor. Auf dem Weg dorthin hob es uns einmal auf ganze 2'800 m: Definitiv eine komfortable Überlandflughöhe! Den nächsten Aufwind fanden wir allerdings erst nach 35 km Gleitstrecke und 1'400 Höhenmetern! Die folgenden Kilometer Richtung Norden über das sonst thermisch nicht so attraktive Nordwestniedersachsen entpuppten sich als reiner Genussflug. Ab Diepholz beschränkte uns leider die EDR 202, die in FL 80 beginnt. Als ich bei Bremen Information nach der Aktivität fragte, musste ich den Namen der EDR wiederholen: Offensichtlich sind Segelflieger hier in FL 80 eher selten. Dieses Jahr ist alles möglich...


Abbildung 13: Im F-Schlepp hinter der Superdimona aus Aue Hattorf.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf hatten wir spontan die Idee, eventuell auf der Insel Juist zu landen. Dies ist die einzige ostfriesische Insel mit einem Segelflugplatz, zumindest nach der gelben Markierung auf der ICAO-Karte. Im Funk war doch tatsächlich jemand zu erreichen und so schilderten wir unser Anliegen. Ein Schlepppilot und Schleppmaschine waren tatsächlich für den nächsten Tag verfügbar. Allerdings handelte es sich mal wieder um einen 80 PS Motorsegler, sodass wir uns dagegen entschieden haben. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, uns die Inseln mal von Nahem anzusehen und flogen bis unter die letzten Wolken an der Küste. Das war nun wirklich ein eher ungewöhnlicher Anblick für einen Streckensegelflug: Im Norden gab es nur Wasser und blauen Himmel! Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, ging's mit reichlicher Endanflughöhe zurück zum Flugplatz Bohlenberger Feld. Die eben noch so angenehme Kühle in 2'000 m wich sekündlich der drückenden Hitze der tiefen Luftschichten. Wir flogen noch ein paar Akklimatisierungskreise und landeten dann auf der ebensten Grasbahn, die ich kenne. Da der Platz nur 8 m über dem Meeresspiegel liegt, zeigte der Höhenmesser quasi Null an.


Abbildung 14: Eine ungewöhnliche Aussicht für einen Segelflieger: Blick aus 2'000 m auf die ostfriesischen Nordeseeinseln Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge.

Es dauerte nicht lange und wir wurden freundlich empfangen, und zwar von Dietmar, der sich gleich als Schlepppilot für den nächsten Tag anbot. Auch Henry und einige andere Mitglieder des Vereins Waterkant-Zetel kamen bald auf dem Flugplatz an und wir verbrachten einen unterhaltsamen Abend bei Pizza vom Lieferdienst. Unser Flugzeug konnte in der Halle übernachten und wir in der "Villa Hügel".

Tag 10, Mittwoch, 8.8.2018: Über das Teufelsmoor nach Uelzen

Auch an diesem Morgen mussten wir uns keine Sorgen um unser Frühstück machen, denn wir bekamen frische Brötchen gebracht! Eher Sorgen machte uns das Wetter. Denn noch hing dicke frontale Bewölkung über uns, die sich gegen frühen Nachmittag auflockern sollte. Da das Wetter für die nächsten Tage nicht besser vorhergesagt war, entschieden wir uns nach Uelzen zurückzufliegen (178 km OSO). Die Vorhersage entsprach bei Weitem nicht dem hohen Standard der letzten Tage: 1'000 m Basis, Schauer, Abschirmung und eine steife Brise aus SW. Es wurde also am Ende nochmal so richtig spannend. Dennoch konnten wir die Sache gelassen angehen, da eine Außenlandung heute nur eine kurze Rückholtour bedeuten würde. Als der Himmel gegen 14 Uhr langsam aufklarte, zogen wir die DG 505 mit einem Trecker an das andere Platzende. Auch heute stand uns mal wieder nur ein Motorsegler zur Verfügung, aber dieses Mal hatten wir zumindest reichlich Gegenwind und waren annähernd auf Meeresspiegelhöhe.


Abbildung 15: Auf dem Bohlenberger Feld werden die Flugzeuge mit einem Trecker zum Start gezogen. Der Rasen ist hier fast so eben wie der Asphaltstreifen.

Gegen halb drei hoben wir ab und wurden von Dietmar wunschgemäß ein gutes Stück Richtung Uelzen geschleppt. Die Basis entsprach der Vorhersage und die Thermik war eher schwach, dafür aber schön rund und gleichmäßig. Schon bald passierten wir die Weser und tankten anschließend Höhe, um das Teufelsmoor zu passieren. Hier habe ich schon schlechte Erfahrungen gemacht, es ist aber der einzige Weg, um zwischen Bremen und Hamburg nach Osten zu kommen. Wir überflogen den Flugplatz Tarmstedt und zielten auf eine kleine, frisch entstandene Wolke. Dort fanden wir in 350 m wieder seichtes Steigen, das sich nach einigen vorsichtigen Zentriermanövern zu einem euphorisierenden 1-m-Bart entwickelte. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen!


Abbildung 16: Blick nach  Norden auf Brake an der Weser. Das Wetter am letzten Flugtag war das absolute Gegenteil des Vortages.

Jetzt lag die Lüneburger Heide schon in Reichweite und die Wolkenoptik war auch nicht schlecht. Die EDRs um Faßberg waren nur bis 1'500 ft aktiv und so planten wir unsere Route direkt nach Uelzen. Nach ein paar weiteren Aufwinden bei mittlerweile moderater Basis, konnten wir kurz hinter der A7 unsere Endanflughöhe auf Uelzen holen. Endlich wieder über bekanntem Gelände, konnten wir nun die entspanntesten Flugminuten unseres Wandersegelfluges genießen. Kurz nach fünf landeten wir in Uelzen, wo wir von Klaus und Burghard schon erwartet wurden!

Fazit

Wir konnten an sieben von zehn Tagen fliegen und haben 1'850 km gesammelt. Abgesehen von dem ersten Tag sind wir immer auf einem Flugplatz angekommen. Noch viel erstaunlicher ist, dass wir nie Probleme hatten wieder in die Luft zu kommen. Wir wurden auf jedem Flugplatz herzlich aufgenommen und uns wurde immer geholfen, wenn wir Hilfe brauchten. Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln war einfacher als gedacht, einen Großteil des Startproviants haben wir wieder mit nach Uelzen gebracht. Auch die Stromversorgung für Navi, Smartphone und das Flugzeug lief viel unproblematischer als befürchtet - und das trotz vergessenem Ladegerät! Zwei große Powerbanks für Smartphone und Navi haben sich bewährt. Finanziell gesehen war der Wandersegelflug einer der günstigsten Urlaube, die man machen kann. Wir haben ca. 300€ ausgegeben, davon ein gutes Drittel für F-Schlepps und Windenstarts.

Im Vergleich zum klassischen Überlandflug, bei dem man eher auf Punktejagd ist, ist der Wandersegelflug eine ganz neue Erfahrung. Es geht nicht um Punkte, sondern um Erlebnisse. Man kann beim Wandersegelflug nicht verlieren, sondern nur gewinnen: Auch wenn man nicht weit fliegt, oder nicht dort ankommt, wo man gern ankommen wollte, etwas Neues erlebt man immer: Neue Landschaft, neuer Flugplatz, neue Leute. Man weiß morgens nie, wo man abends sein wird. Das ist absolut faszinierend und macht sehr viel Spaß!

Zum Abschluss möchten wir uns bei allen bedanken, die uns in Achmer, Ludwigshafen, Neustadt, Aue und Zetel unterstützt haben! Unser Dank gilt insbesondere Klaus und Burghard, ohne die dieser erlebnisreiche Wandersegelflug nicht möglich gewesen wäre!


Abbildung 17: Alle Flüge auf einen Blick. Startorte: 30.7. Uelzen, 2.8. Uelzen, 3.8. Achmer, 4.8. Ludwigshafen-Dannstadt, 5.8. Neustadt a.d. Aisch, 7.8. Aue Hattorf, 8.8 Bohlenberger Feld.