Alles begann mit einem überraschenden Telefonanruf bei Heiko, Udo-Arno und mir am Freitag zuvor. Carsten hatte da mal ´ne Frage: „Könnt ihr am Sonntag zum Platz kommen? Um 09:00 Uhr habt ihr Prüfung.“

Das war ´ne klare Ansage. Zumindest bei mir setzte sofort das entsprechende Gefühl im Bauch ein – Hosen voll. Die beiden anderen nahmen es wohl eher locker. Aber spätestens am Sonntag zeigte auch ihr Gesicht so ein leichtes Völlegefühl in der Magengegend.

Der Sonntag begann um 08:30 Uhr mit einem leckeren Frühstück. Mit allem d´rum und d´ran. Und wider Erwarten konnte ich so richtig reinhau´n. Knackige Brötchen und ´n gekochtes Ei waren dann auch der Rahmen für den ersten Prüfungsabschnitt: „Theorie“. Prüfer Thomas formulierte seine Prüfungsschwerpunkte: „Kurvenflüge und Überziehzustände“. Die wurden dann mal eben in einem „Ich-frage-du-antwortest-Smalltalk“ in ihre theoretischen Details zerlegt. Na ja, und dann noch ´n paar andere Kleinigkeiten, die man halt wissen sollte. Dann stand Praxis auf ´n Plan.

Zuerst einmal marschierten Thomas und Carsten in Richtung Segelflug-Start. Dort wartete Arved auf seinen Prüfungs-Einsatz. Drei Windenstarts sollten es werden. Aus der Ferne sah es irgendwie auch ganz toll aus, sofern man das als Motorflieger beurteilen kann. Und über Funk kam dann auch das Ergebnis: „Bestanden!“ So hatte Arved uns schon mal ´ne aufmunternde Vorlage geschenkt. So gegen Mittag, nachdem sich die Wolken auf eine fliegbare Höhe verzogen hatten, waren wir dran, und konnte Heiko seine Pole-Position einnehmen. Das Dreieck „Lüneburg-Fassberg-Uelzen“ war zu bewältigen. Nach knapp 90 Minuten schwebte er dann wieder ein. Naaaa? Unnnnnd? Nix war. Erst mal verzog sich die Jury in den Clubraum zum Re-Briefing. Dann das offizielle Ergebnis – „Bestanden“ und Heiko als Strahlemann.

Anschließend kam mein Part: „Braunschweig-Ummern-Uelzen“. Es mag wohl die tolle Art von Thomas gewesen sein: „Flieg´ einfach, wie du sonst auch allein geflogen bist. Ich bin jetzt nicht dein Prüfer, sondern wir sind ein Team. Also – auf geht `s“ – es funktionierte prächtig. Konzentriert und trotzdem entspannt. Die Navi-Punkte tauchten dort auf, wo sie hingehörten. Die Überflugzeiten passten. Und selbst die Kurse und Höhen hielten brav ihre Position. Spätestens jetzt fing es sogar an, Spaß zu machen. Thomas machte ab und an seine Häkchen im Protokoll. Ansonsten fotografierte er die Gegend. Dann  bat er mich, in Braunschweig zwei Platzrunden zu fliegen. Einmal mit simuliertem  Überflug und kurzem Aufsetzen und einmal bitte Landung ohne Klappen und sofort wieder starten. Wenn ´s recht ist, bitte. Es war mir recht.

Nächstes Ziel: „Ummern“. Ein kleiner idyllischer Segelflugplatz, versteckt zwischen Wald und Wiesen. Dort war ´ne Ziellandung angesagt. Die Einladung, kurz auf ´nen Kaffee zu landen, mussten wir aus Zeitgründen dankend ablehnen. „Und tschüss“ – ab Richtung Heimat. Zwischendurch noch zwei 45°-Kurven und die angekündigten Überzieh-Übungen. Das war `s auch schon. Thomas` Frage, wie es mir denn bisher gefallen hätte, beantwortete ich mit einem breitem Grinsen und einem spontanen Schlag auf sein Knie (… wie peinlich). Dafür gab es in Uelzen einen (Hand-)Schlag zurück. Und mein letzter großer Wunschtraum hatte sich erfüllt. Jetzt war ich ein Pilot. Wenn auch nur für die kleinen Flieger. Na ja, … auf jeden Fall kann ich jetzt anfangen zu lernen, um mal so einer zu werden, bei dem man ruhig und entspannt mal einsteigen darf.

Noch mal kurz zum Re-Briefing und dann war Udo-Arno dran. Der arme Kerl musste bis zum Schluss ausharren. Muss nicht leicht gewesen sein, wie seine Mimik verriet. Sein Dreieck: „Braunschweig-Lüchow-Uelzen“. Auch er war nach eineinhalb Stunden wieder zurück. Und wieder verriet seine Mimik alles: guuut gelaufen! Nach seinem Re-Briefing war dann endlich alles klar. Alle drei bestanden! Jetzt konnten wir noch schnell die restlichen Leckereien vom Frühstück zu Schnittchen verwandeln, Getränke auf ´n Tisch stellen und viele Gratulationen grinsend entgegennehmen.

Das war nun mein Prüfungsbericht. Wie Heiko und Udo-Arno ihre Flüge im Detail erledigt haben, müsst ihr selbst mal erfragen.

Was bleibt, ist ein Rat an die nächsten Flugschüler, die sich ihrem Prüfungstag Schritt für Schritt nähern: Wenn es soweit ist, werdet auch ihr Euch schon Tage und Wochen vorher die wohl gemeinten Sprüche der Kameraden/-innen anhören dürfen: „Ach, das musst du ganz cool sehen.“ Oder „Zeig´ einfach das, was Du gelernt hast.“ Oder den Satz von Carsten: „Glaubst du im Ernst, ich schick´ dich zur Prüfung, wenn ich nicht überzeugt davon wäre, dass du das packst?“.

Okay. Diese Sprüche werden Euch auch nicht so wirklich die gewünschte Coolness geben. Aber lasst es Euch sagen: „Die stimmen wirklich !!!“ Wie auch immer – der Tag wird kommen und da müsst Ihr eben durch. So oder so. Also 1 x Hosen voll. 1 x Glücksgefühl. 1 x Dankeschön.

Letzteres soll jetzt Anlass sein, uns bei unseren Fluglehrern ganz doll für Ihren Einsatz zu bedanken:

Bei Tine, Christian, Arnold, Hartmut, Karsten, Thorsten sowie rückblickend auch bei Christian und Roland. Und natürlich bei Carsten, dem Chef des Ganzen.

In diesem Sinne. Gruß Udo