Uelzen. Wer derzeit den Flugplatz Uelzen besucht, könnte meinen, der Flugsportverein Cumulus halte Winterschlaf.

Tiefhängende Wolken und bescheidene Sichten, wie sie in dieser Jahreszeit öfter vorkommen, vertragen sich nicht mit dem Sichtflug. Tatsächlich gibt es an diesem grauen Samstag keine einzige Flugbewegung. Doch der Schein trügt. Auch wenn es draußen ruhiger zugeht als sonst: Im Vereinsgebäude herrscht umso mehr Betrieb.

Im Schulungsraum hat Fluglehrer Jan Baucke zum Theorieunterricht eingeladen. Aktuell geht es um das Fach Allgemeine Luftfahrzeugkenntnis. Die vier anwesenden Flugschüler lernen unter anderem unterschiedliche Flügel- und Leitwerksformen sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile kennen. Zudem geht Baucke auf die im Flugzeugbau verbreiteten Baustoffe wie Holz, Metall, Glas- und Kohlefaser ein. Auch die Instrumente im Cockpit und ihre Besonderheiten kommen zur Sprache. Flugschüler Jörn Kirscht stöhnt angesichts der Ausführungen zum sogenannten Kompassdrehfehler über die Fülle der Details: „Ich habe gelernt, dass ich bis zur Theorieprüfung noch viel lernen muss.“

Nicht nur graue Theorie: Im Unterricht erklärt Fluglehrer Jan Baucke die Struktur eines Flügels.

 

Eine Etage höher treffen wir Stefan Kösel. Der Cumulus-Flugbetriebsleiter weist gerade einen Vereinskameraden in die Aufgaben des Flugleiters ein. Die „Türmer“ vermitteln den Piloten Informationen, etwa zur aktiven Piste, zu Windrichtung und Windstärke. Sie erfassen zudem jede Landung und jeden Start im Hauptflugbuch, sorgen für Ordnung auf dem Vorfeld, führen die Tankliste, kassieren Landegebühren und vieles mehr. Als Verkehrslandeplatz hat Uelzen zu den veröffentlichten Zeiten eine Betriebspflicht. Den Flugbetrieb stellen 15 offiziell gemeldete Flugleiter sicher. Nun ist auch Maximilian Buchstab dabei.

Auf dem Turm weist Flugbetriebsleiter Stefan Kösel seinen Vereinskameraden Max Buchstab in die Aufgaben des Flugleiters ein.

 

 

Vor allem in der Werkstatt wartet jede Menge Arbeit. Der sogenannte Winterbau ist hier das aktuell beherrschende Thema. „Es geht um die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit unserer Flugzeuge“, erklärt der Werkstattleiter und Technische Betriebsleiter Klaus Reitmeier. Für jedes der fünf Vereins-Segelflugzeuge gebe es ein detailliertes, 14 Seiten umfassendes Instandhaltungsprogramm. Die Kontrollen seien Punkt für Punkt abzuarbeiten. Größere Reparaturen sind gegebenenfalls beim Landesverband des Deutschen Aeroclubs zu beantragen, nach Genehmigung durchzuführen und zu dokumentieren. „Formulare, Formulare“ beklagt Reitmeier den bürokratischen Aufwand. Seine Qualifikation hat der gelernte Heizungsbauer in etlichen Lehrgängen erworben. Reitmeier weiß: Bis zur Jahresnachprüfung am 22. März gibt es noch viel zu tun. Dabei wird er maßgeblich von Flugzeugbauer Mathias Lenz unterstützt und gelegentlich auch von Segelflugschülern.

Für Klaus Reitmeier ist der Winter eine besonders arbeitsreiche Zeit: Die Segelflugzeuge des Uelzener Flugsportvereins müssen bis zum Saisonstart für die Jahresnachprüfung, eine Art TÜV, vorbereitet werden.

 

Die Cumulus-Segelflieger freuen sich schon jetzt auf den Start in die neue Saison Ende März. Auch weil der Verein mit dem „Discus B“ kürzlich ein neues Segelflugzeug erworben hat. Reitmeier: „Damit sind wir von der Clubklasse in die Standardklasse aufgestiegen.“

Für die Motorflieger könnte es schon früher wieder losgehen. Fluglehrer Hartmut Stehr nutzt die Gelegenheit und gibt einem frisch gebackenen Privatpiloten in der Flugzeughalle gerade eine theoretische Einweisung in die motorgetriebene, viersitzige DR 400. Der praktische Teil folgt, sobald das Wetter fliegbar ist… (Hartmut Merten)

(Fotos: Hartmut Merten)